how
to
Kultur
Komitee

Mit dem Kultur Komitee erprobt die Winterthurer Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) Wege der partizipativen Kulturförderung. Hier erfährst du, wie das Projekt aufgebaut ist.

Prozess

Das Kultur Komitee in 7 Schritten

1

Welche Rahmenbedingungen braucht es?

2

Wer soll entscheiden?

3

Was braucht das Komitee für den gemeinsamen Prozess?

4

Welche Projekte sollen eingereicht werden können?

5

Wie entscheiden die Komiteemitglieder gemeinsam?

6

Wie geht es weiter?

7

Und was bringt es?

Planung

Welche Rahmenbedingungen braucht es?

Zum Start braucht es Entscheidungen, die dem Prozess einen Rahmen geben und zugleich Offenheit und Flexibilität ermöglichen.

So geht’s

  1. Rollen klären: Co-Projektleitung mit Kompetenzen in Kulturmanagement, Prozessgestaltung, Moderation und Kommunikation zusammensetzen (insgesamt 60-Prozent-Pensum).
  2. Projektbudget erstellen: Fördersumme und zusätzliches Budget für die Projektleitung, Administration, Kommunikationsaufwände sowie die Treffen bestimmen.
  3. Formale Voraussetzungen definieren: Welche Rahmenbedingungen und formalen Voraussetzungen gelten für Projekte, die Förderung beantragen möchten?
  4. Entscheidungsprozess planen: Teilnahmebedingungen für Komiteemitglieder definieren, Prozessablauf entwerfen und Termine festlegen.
  5. Evaluation aufgleisen: Wirkungslogik mit Indikatoren erstellen, Datenerhebung planen.
  6. Förderplattform wählen: Wie nehmen wir Gesuche entgegen? Welches Tool unterstützt den partizipativen Prozess?

Auslosung &
Konstitutierung

Wer soll entscheiden?

Die Stadtverwaltung lost im Auftrag der Projektleitung jeweils 200 Einwohner:innen aus. Diese erhalten einen Brief mit der Einladung zum Mitmachen. Sie entscheiden, ob sie dabei sein möchten.

So geht’s

  1. Losverfahren aufgleisen: Vereinbarung mit der Stadtverwaltung treffen für die Auslosung von Adressen aus dem Einwohnerregister.
  2. Einladungsbriefe verschicken: Den Einladungsbrief inklusive Infoblatt und Rücksendekarte verschicken. Und auf Rückmeldungen warten.
  3. Begleitend kommunizieren: Mit einer Plakat- und Onlinekampagne auf die Auslosung aufmerksam machen, damit der Brief nicht direkt im Altpapier landet.
  4. Individuelles Onboarding: Offene Fragen klären, Ermöglichungsbeiträge für Übersetzung, Kinderbetreuung oder Lohnausfälle zusichern. Individuelle Vereinbarungen mit den Komiteemitgliedern treffen.
  5. Rückmeldungen auswerten: Demografische Daten erheben und Absagegründen nachgehen.
  6. Kick-off-Treffen: Gegenseitiges Kennenlernen und Austausch gestalten: Was bedeutet für uns Kultur? Was ist uns wichtig für den gemeinsamen Prozess?

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Entscheidungs­grundlagen entwickeln

Was braucht das Komitee für den gemeinsamen Prozess?

Die Komiteemitglieder gewinnen verschiedene Perspektiven auf Kultur und Förderung und entwickeln gemeinsame Entscheidungsgrundlagen.

So geht’s

  1. Verschiedene Perspektiven einholen: Austausch mit Fachpersonen aus Kulturförderung und professionellen Kulturschaffenden organisieren.
  2. Zur Reflexion einladen: Die Komiteemitglieder gehen eigenen Fragen nach: Was hat meine eigene Sicht auf Kultur geprägt? Welche Kulturprojekte gefallen mir – und warum?
  3. Förderkompass entwickeln: In einem gemeinsamen Prozess erarbeiten die Komiteemitglieder Entscheidungsgrundlagen: Was wollen wir durch unsere Förderung bewirken? Wie stark gewichten wir unsere individuellen Perspektiven?
  4. Konsent zum Entscheidungsprozess einholen: Sind alle mit dem von der Projektleitung geplanten Vorgehen für den Entscheidungsprozess einverstanden? Gibt es Bedenken oder besondere Wünsche?

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Was wollen wir durch unsere Förderung bewirken? ©Giglio Pasqua

Was ist uns wichtig für den gemeinsamen Prozess? ©Giglio Pasqua

Zwischenergebnis Gemeinsamer Förderkompass ©Mia Odermatt

Einreichung 
Kulturprojekte

Welche Projekte sollen eingereicht werden können?

Es gibt eine öffentliche Ausschreibung für Projekte. Kulturschaffende und Kulturinstitutionen reichen ihr Gesuch auf der digitalen Förderplattform ein.

So geht’s

  1. Gesuchsformular erstellen: Das Gesuchsformular möglichst niederschwellig gestalten. Das Komitee mitentscheiden lassen, welche Informationen es braucht um gute Entscheidungen treffen zu können.
  2. Kommunikationskampagne starten: Im öffentlichen Raum, in sozialen Medien und in lokalen Quartierzeitungen auf die Ausschreibung aufmerksam machen.
  3. Unterstützung anbieten: Beratungstermine für Fragen anbieten, Übersetzung von Gesuchen ermöglichen, Beispielgesuch und -budget zur Verfügung stellen.
  4. Formale Voraussetzung prüfen: Die Projektleitung prüft alle eingereichten Gesuche auf die formalen Voraussetzungen.

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Sichten, verhandeln
und entscheiden

Wie entscheiden die Komiteemitglieder gemeinsam?

Die Komiteemitglieder sichten die Gesuche zuhause. In zwei Treffen verhandeln und entscheiden sie darüber, welche Projekte mit welchem Betrag gefördert werden.

So geht’s

  1. Projekte sichten und bewerten: Die Komiteemitglieder machen sich zuhause mit je rund 30 Projekten vertraut.
  2. Vorauswahl treffen: Jedes Projekt wird online von mindestens vier Komiteemitgliedern bewertet. Aufbauend darauf wird an einem Treffen die Vorauswahl getroffen: Die besten 60 bis 80 Projekte kommen in die nächste Runde.
  3. Individuelle Bewertung: Jedes Komiteemitglied sichtet und bewertet noch einmal rund 30 Gesuche. Anhand der individuellen Bewertungen werden beispielsweise anhand der «Method of Equal Shares» bereits die ersten Projekte gefördert.
  4. Gemeinsame Entscheidung: Über die verbleibenden Projekte verhandeln die Komiteemitglieder in Kleingruppen vor Ort. Sie entscheiden über die finale Auswahl der Projekte und die Förderbeträge.

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Gesuche sichten – zuhause und vor Ort. ©Giglio Pasqua 

Eher ja oder eher nein? In der Vorauswahl gehört auch Bauchgefühl dazu. 

Pro und Contra. ©Robyne Dubief

Austausch und
Projektumsetzung

Wie geht es weiter?

Die geförderten Kulturschaffenden und die Komiteemitglieder treffen sich zum Austausch. Die Kulturschaffenden erhalten die Förderung und setzen ihre Projekte um.

So geht’s

  1. Götti/Gotti matchen: Jedes Komiteemitglied wird Projekt-Pate oder Projekt-Patin eines geförderten Projekts. 
  2. Förderentscheide kommunizieren: Die Kulturschaffenden werden informiert, ob und mit welchem Betrag sie gefördert werden. Sie unterschreiben eine Vereinbarung und erhalten die Förderung als zweckgebundene Spende.
  3. Austauschabend feiern: Beim Austauschabend lernen sich die Komiteemitgliedern und die geförderten Kulturschaffenden persönlich kennen. Sie tauschen sich untereinander aus: Wie könnten die Projekte zusätzlich unterstützt werden?
  4. Komiteemitglieder verdanken: Die Komiteemitglieder erhalten eine Spesenpauschale von 500 Franken und eine Bestätigung für ihr Engagement.
  5. Informieren und besuchen: Die Kulturschaffenden setzen ihre Projekte um und informieren die Komiteemitglieder darüber. Es steht den Mitgliedern frei, welche Projekte sie (gemeinsam) besuchen.
  6. Abschlussbericht einholen: Nach dem Projektabschluss reichen die Kulturschaffenden bei der Projektleitung einen kurzen Bericht inklusive Abschlussrechnung ein.

Galerie

Einstiegfragen zum Aufwärmen ©Giglio Pasqua

Wie könnten die Projekte zusätzlich unterstützt werden? ©Robyne Dubief

Austausch in Kleingruppen ©Giglio Pasqua

Verdankung im Plenum ©Giglio Pasqua

Ausklang ©Robyne Dubief

Evaluieren und
weiterentwickeln

Und was bringt es?

Eine begleitende Evaluation hilft dabei, die Wirkung des Kultur Komitees besser zu verstehen und das Projekt iterativ weiterzuentwickeln.

So geht’s

  1. Wirkungslogik erarbeiten: Zu welcher gesellschaftlichen Wirkung wollen wir langfristig beitragen? Was sind unsere Wirkungsvermutungen?
  2. Daten erheben: Entlang des Prozesses gezielt Daten erheben mit Umfragen, teilnehmenden Beobachtungen und punktuellen Interviews.
  3. Aussenblick einholen: Die Wirkung und den Verlauf des Prozesses mit den Komiteemitgliedern, den geförderten und nicht geförderten Kulturschaffenden und Expert:innen aus der Kulturförderung reflektieren.
  4. Anpassen, weiterentwickeln, Neues wagen: Auf Basis der ausgewerteten Daten und mit Neugier den Prozess schrittweise anpassen und weiterentwickeln.

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